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16.08.2007 Ein Vorbild ist kein Vorbild

Nach langer Zeit melde ich mich (wenn auch aus einem etwas traurigen Anlass) zurück in meinem Blogversuch.
So ein Blog mag in erster Linie dazu dienen, den interessierten Leser über verschiedenste Dinge zu informieren und dabei den Spass nicht zu kurz kommen zu lassen. In diesem Beitrag muss das alles mal in den Hintergrund treten und mein Blogversuch einem anderen Zweck dienen und zwar:
“Etwas von der Seele schreiben”

Christian und FrancoEs geht um meinen Neffen Franco, er ist 35 Jahre alt, hat eine Lebensgefährtin, Tanja und seit 3 Jahren eine süsse Tochter mit Namen Mia. Alles in allem eigentlich eine kleine glückliche Familie…, wenn da nicht eine Sache wäre: Die Motorrad-Verrückheit von Franco.
Im Allgemeinen haftet den Italienern das Vorurteil an, ein motorsportverrücktes Volk zu sein. Nun mit Vorurteilen und Klischees solcher Art habe ich so meine Schwierigkeiten, aber im Falle von Franco trifft dieser Sachverhalt voll und ganz zu, leider!
Er begann schon als Teenager Mofas zu frisieren und damit die Umgebung unsicher zu machen. Mit fortschreitendem Alter wurden aus Mofas immer stärkere Motorräder und zwar aller Arten. Sowohl ausschliesslich für die Rennstrecke als auch für den normalen Strassenverkehr. So verbrachte er manches Wochenende mit Gleichgesinnten auf den klassischen Rennstrecken von Mugello, Monza und Barcelona um die eigene Maschine auszureizen. Meine Schwester und ihr Mann waren über sein Hobby natürlich nicht sehr erfreut, aber das Argument “die Raserei auf einer abgeschlossenen Rennstrecke, die dafür extra gemacht wurde, ist wesentlich sicherer als der normale Strassenverkehr” tat seine Wirkung, zumal Stürze nicht ausblieben, aber immer ohne grössere Folgen blieben.
Wir sagten uns halt, na solange sie sich nur am Wochenende im abgesperrten Affenkäfig sprich Rennstrecke austoben, passt das schon.
Im Laufe der Jahre erwarb sich Franco ein immenses Fachwissen über Motorräder und irgendwie auch meinen Respekt, zumal er auf meine Fragen immer eine fundierte Antwort zu geben vermochte. Umsonst sagt man nicht, dass die Erkenntnisse im Rennsport irgendwann mal auch uns Normalos zu Gute kommen. Auch seine selbstverständliche Art mit Motorrädern aller Art und Grösse umzugehen, nötigte mir immer Respekt ab. Als ich vor 3 Jahren meine GS bekam und damit zum ersten Mal bei ihm zu Besuch war, staunte ich nicht schlecht, wie spielerisch leicht er mit diesem Schwergewicht umging und den Eindruck erweckte, immer schon diese Maschine zu fahren.
Kurz und gut er war schon im Lauf der Zeit eine Art Vorbild für mich geworden, was mein Motorradhobby betrifft.
Tania und MiaAls vor 3 Jahren seine kleine Mia auf die Welt kam, wurden die mahnenden Worte seiner unmittelbaren Umgebung, allen voran seiner Lebensgefährtin Tania immer lauter: “Du hast jetzt eine Tochter und für sie eine Verantwortung!!!”
Das entwickelte sich immer mehr zum Reizthema, und nur ganz langsam liess er sich dazu bewegen sich mit dem Abschied von seinem doch nicht ganz ungefährlichen Hobby zu befassen. Schliesslich und endlich verkaufte er dann seine Rennmaschine und verlagerte sein Interesse auf Motocross. Er zeigte mir letztes Jahr einmal sein “Revier”, wo er mit seiner Crossmaschine zu Werke geht und meine Hochachtung stieg noch mehr. Für einen Otto-Normal-Tourenfahrer, wie mich, war es fast unvorstellbar, was man mit so einer Enduro-Trial-Maschine alles befahren kann: Bei manchen Stellen hätte ich schon zu Fuss meine Probleme bekommen!
Die Kehrseite seines Umstiegs bekam Franco im Laufe der Zeit aber leider auch mehr oder weniger schmerzvoll zu spüren. Stürze sind nun mal anscheinend im Gelände wesentlich häufiger als auf der Rennstrecke. Er erlitt dabei Verletzungen, die ihm vorher nie widerfuhren. Natürlich wurden die Stimmen aus seinem unmittelbaren Umfeld deswegen wieder sehr laut, aber er ging darauf nicht ein.

Und gestern am Abend war es dann so weit:

Ich sass gemütlich vor dem Fernseher meiner Schwester und schaute mir das Mehmet-Scholl-Bayern-Abschiedsspiel an, als gegen 19 Uhr das Telefon klingelte und ein fremder Mann meiner Schwester mitteilte, dass Franco einen Unfall hatte. Er versuchte zu beschwichtigen, es sei nichts Lebensbedrohliches, er könne alles bewegen, nicht so schlimm!!!
Tanja telefonierte 10 Minuten später mit meiner Schwester und sagte, sie hätte gerade mit ihm über Handy telefoniert und von ihm erfahren, es sei nicht ernst, sie sollte sich keine Sorgen machen…

15 Minuten später kam ein neuer Anruf: Franco wird mit dem Hubschrauber ins 80 km weite Krankenhaus Santa Corona in Pietra Ligure geflogen.

Jetzt herrschte dann doch Aufruhr: Wenn einer mit dem Hubschrauber abtransportiert wird, das kann doch nicht harmlos sein!!!??!!

Ich fuhr sofort mit meiner Schwester im Auto zu Tanja, um ein paar Sachen für ihn fürs Krankenhaus zusammenzupacken und vor allem, um mehr zu erfahren. Als wir nach 25 Minuten ankamen, sah ich von der Ferne einen Hubschrauber davonfliegen und Tanja sagte: “Ja, da ist Franco drinn!”
Alle 5 Minuten klingelten diverse Handies und jedesmal zuckten wir zusammen, in Erwartung neuer Hiobsbotschaften, welche aber zum Glück nicht eintrafen.
Als klar war, wohin Franco geflogen werden würde, setzte sich sein Papa Bruno zusammen mit Mino (Lebensgefährte von Franco’s Schwester Nikki) ins Auto, um ins 80 km entfernte Krankenhaus zu fahren. Es folgten 2 Stunden Ungewissheit und Bangen, bis sich dann herausstellte, dass Franco “nur” Gesichtsverletzungen erlitten hatte, aber die ganz schön heftig.
Er war anscheinend auf der kurvigen Landstrasse von Airole infolge zu hoher Geschwindigkeit bei einem Ausweichmanöver gestürzt und hatte voll mit dem Gesicht gebremst.
Tanja hatte ihn kurz von der Weite gesehen und er muss nicht sehr appetitlich ausgesehen haben, wie sich später harausstellte: Jochbein eingedrückt, 3 Zähne nicht mehr an dem Platz, wo sie hingehören, Kiefer gebrochen, Kinn verschoben und einen 1cm breiten Schnitt quer oberhalb des ganzen Brustkorbes entlang, und, und, und…

Da kamen natürlich Fragen auf: Was hatte er für einen Helm auf? Wie schnell war er denn?
Alles Fragen auf die dann allmählich die Antworten eintrafen.
Er hatte keinen Integralhelm, sondern nur so ein “Nachthaferl” auf dem Kopf und angezogen hatte er auch nur kurze Hosen und T-shirt, und die Dorfbewohner hatten ihm beim Wheelestart und der anschliessenden Dorfdurchfahrt noch hinterhergerufen, er sollte nicht so schnell fahren…

Was soll ich dazu sagen? Mein Lehrmeister in Sachen Motorrad soll sich so leichtfertig verhalten haben? Das gibt’s doch nicht, nein, das kann nicht sein.
Zuerst wollte und konnte ich das nicht glauben, aber als Tanja dann noch als Sahnehäubchen obendrauf von einer Unterschriftenaktion der Dorfbewohner gegen Franco, welche schon seit Wochen wegen seiner Raserei läuft, berichtete, da begann ich so langsam zu begreifen, dass er anscheinend in den letzten Jahren eine Art Mutation zum Raser hinter sich gebracht hatte oder schlimmer noch vielleicht schon immer war, anders kann ich mir die Fakten, welche nun zum Vorschein gekommen sind, nicht erklären!!!

So demontiert man sich selbst als Vorbild und Lehrmeister. Mehr fällt mir dazu jetzt nicht mehr ein.
Werde meinen Blogversuch demnächst weiterführen, aber wieder mit einem erfreulicheren Thema…
Hoffe ich doch!!!

Kommentare

Kommentar von Dr.Punti
Datum 17. August 2007 um 18:11

Hi Ihr Lieben,

Eine Traurige Mitteilung muß ich da hören

Darf ich Euch und Tania (ubek.) mein Mitgefühl aussprechen, vorallem Franco gute Besserung wünschen!

Vorbild hin oder her, für sein Können alle Achtung aber Schutzkleidung oder mal schnellere Gangart machen wir das nicht auch selbst hin und wieder ?
So lange nichts passiert ist es ok aber wen dann ……..
na ja
Hätte bestimmt noch schlimmer sein können, vieleicht war das eine Warnung (auch wir sollten uns darüber Gedanken machen)
Jeder Mensch ist seines Glückes Schmied (Sprichwort)

Motorrad-fahren ist und bleibt ein gefährliches Hobby, das sollte man nie vergessen (und leichtsinnig werden)

Heinz hat bei seinem Absturz auch einen Wirbelbruch erlitten,
lt. Gespräch mit Dani (bei Kernspin festgestellt)
Näheres in Kürze

In diesem Sinne Gruß Peter

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