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Nebensache

Meine Bonsai habe ich weitgehend zurückgeschnitten, gedrahtet und umgetopft, soweit die Jahreszeit es zuläßt. Die Bäume trauen dem warmen Frieden nicht so recht, habe ich den Eindruck. Einen Vorteil hat es: die Blüten halten länger, die zarten Austriebsblätter lassen noch die Struktur des Baumes erahnen, so dass bessere Bilder möglich sind.

  • Ihr müßt wissen, dass Bonsai mit Liebe auf den ersten Blick anfängt.
    In der ersten Phase ist man voller Euphorie, man fängt ganz harmlos an (= zweckgebundenes sparsames Kaufverhalten) und bringt eine Unmenge von “Material” um.
  • Dann tritt die zweite Phase ein: Mit den Jahren macht man mehr Geld locker, um besseres Material zu kaufen, die Sterberate nimmt ab, man hat schließlich etwas gelernt!
  • Die dritte Phase ist die Entscheidungsphase: Entweder geht man entschieden weiter und widmet 70% seiner Zeit dem Hobby, was per Definition kein Hobby mehr ist oder man bleibt auf dem erreichten Niveau und vertieft seine Bildung, in dem man sich mit der Philosophie auseinandersetzt, der Frage nachgeht, welche Schale oder welcher Tisch zum Baum paßt und warum, sich mit dem Drum und Dran einer Bonsaipräsentation beschäftigt.

Und hier fängt Bonsai erst mal an! Die Bäume haben keine Spargelstämmchen mehr,  sie haben mehr als 5 Äste, sie fangen an, Reife zu zeigen, die man durch jahrelange Pflege (Mochikomi) erreicht hat. Jetzt geht es darum, sie würdig zu zeigen: in einer Tokonoma (einem Element der japanischen Innenarchitektur, das bestimmte Maße aufweist und als Darstellungsplatz für ausgesuchte Pflanzen dient) z.B.

Tokonoma mit Kerbbuchenwald

In einer Tokonoma sieht man also einen Baum auf einem Tisch, eine Beistellpflanze, ein Rollbild im Hintergrund.
Diese Beistellpflanze gibt wichtige Hinweise über Landschaft, Standord oder Jahreszeit, und versteht sich als Ergänzung zum Baum. Die Nebensache vervollständig den Baum erst richtig.
Hier 2 Beispiele aus dieser Woche: Zwischen den 2 Bildern liegen 3 Stunden (7.28 Uhr und 10.36 Uhr)

img_5738-421.jpg

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Kommentare

Kommentar von Bonsai-Freund
Datum 20. April 2007 um 17:47

Das ist wirklich ein schicker Bonsai auf dem ersten Bild. Würde mich interessieren wie lange es gedauert hat, bis das Arrangement so aussah.

Kommentar von admin
Datum 21. April 2007 um 07:48

Das “Arrangement” so zu gestalten könnte in Japan Stunden dauern, bis der richtige Tisch, das passende Rollbild, die ideale Beipflanze, die genauen Platzierung der einzelnen Komponenten zueinander bestimmt wird. Das können wir Europäer noch gar nicht verstehen, so weit sind wir noch nicht.
Dieser Wald aus koreanischen Hainbuchen ist sicherlich nicht jünger als 40 Jahre. Das Alter eines Bonsais ist aber relativ, denn man müsste wissen, woher die einzelnen Pflanzen kommen: aus Samen gezogen, aus Stecklingvermehrung, wurden sie abgemoost oder in der Natur gesammelt. Wichtig ist auch zu wissen, wie lange schon diese Bäume in diesem Wald so koexistieren. Nach dem Stammumfang kann man sich überhaupt nicht richten, denn je nachdem wie der Nahrungszustand war, sind die Jahresringe breiter oder schmäler. Wer sägt denn schon seinen Bonsai ab, um das Alter des Baumes zu bestimmen? Wohl kaum einer!
Wichtig ist der Eindruck, den der Betrachter hat. Nur dieser zählt. Alles andere ist irrelevant.
Wichtig ist, den Betrachter zu rühren, egal ob 10, 30 oder gar 80 und mehr Jahren.
Wichtig ist es, den Baum so in Szene zu setzen, dass wir uns beim Betrachten nicht wieso, warum, weßhalb fragen, sondern nur den Anblick ganz nach unseren persönlichen Empfindungen genießen! Das ist das Höchste!

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