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Vor 43 Jahren

Gestern Abend bin ich mit meinem Bruder eine Pizza essen gegangen.
In Dolceacqua, in einem Lokal, das früher “La Pesca Facilitata” (erleichtertes Fischen) geheißen hat und als eine bessere Fischerhütte an einem Teich ein Teil der Geschichte Dolceacquas schreiben würde.
Hier stand ein Holzofen, rechts davon eine Küche, in der sich sehr üppige Frauen emsig zu schaffen machten. Die Stehtoiletten waren Notbedarf. Es gab auch noch andere kleine einfache ligurische Gerichte zu Essen, wie Kaninchen, gefüllte Zucchiniblüten oder Paprika, Auberginen, oder Zwiebeln. Die Tische und die Bestuhlung waren so ähnlich wie in einem unserer Biergärten. Aber ganz aus Holz. Später waren sie festbetonniert. Das ist lange so geblieben. Am Boden Kies.
Außerhalb war außer der Toiletten mehrere Becken, in dem junge Forellen ihrem Schicksal entgegen wuchsen. Am großen Teich standen Angelnruten an dem Zaun für die Gäste bereit. Sie waren später mit einem Hacken an einem Brett auf ca. 1.50 m Höhe, damit sie nicht umfielen. Ein guter Freund der Familie, der immer wie ein Profi-Fischer aussah, hat um dem Hacken eine teigartige Masse rundgerieben. Kaum war der Hacken im Wasser, stürzten sich die Forellen drauf und wenn man schnell genug war, hingen sie am Hacken. Wenn nicht fielen sie zurück ins Wasser, verletzt. Daher hat immer der Fischer geachtet, dass jeder Fisch fest am Hacken hing. Es gab auch Tage, das streickten die Forellen und sie mussten angelockt werden.
Am Boden lagen hier und da Kastananienstöcke.  Wir Kinder durften sie dem “Henker” holen und überreichen. Sie waren glitschig, altes Blut klebte dran, sie rochen nach Fisch. Oft konnten wir unsere Motorik zum Besten geben: Ausholen, zielen und hauen. Wenn es nicht aufs Erste klappte, half der Fischer. Und wenn die Forelle sich nicht mehr rührte, lobten uns die Erwachsene. Bravaaaaa! Vor allem mein Vater und mein Opa! Oh ja, es war Sadismus! Die Forellen wurden mit einem Hieb auf dem Kopf endgültig bewegungslos gemacht. Erst zu diesem Punkt wurde man gefragt, ob sie gegrillt oder in Weißwein im Holzhofen zubereitet werden sollten. Dazu gab es Rosmarinkartoffeln.
Für uns Kinder war es immer aufregend. Wir sind oft hierhergekommen. Unsere Gäste haben das toll gefunden.

Heute ist es anders. Es gibt richtige Tische, richtige Toiletten im Innenbereich, richtige Bedienungen. Ob weiterhin üppige Mammas, die eigentlich Tanten waren, tolle Gerichte in der Küche zaubern? Um den Teich wurde betoniert, überdacht, bestuhlt. Im Wasser schwimmen riesengroße Forellen… Ich muss das nächste Mal fragen, ob sie genetisch verändert sind… denn Karpfen waren es keine, was ich gestern gesehen habe.

Vergleichen wir mal! Alles in schwarz/weiß, wie anno dazumal!

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Der Nußbaum neben der ehemaligen Toiletten (auf dem linken oberen Bild zu sehen, ist heute noch da!) Von dem Dach umbaut.

Heute heißt das Lokal “La Trota”, die Forelle. Wer es nicht gesehen hat, kann sich es schwer vorstellen, wie es “damals war”!

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